Was bedeutet CROS / Bi-CROS

Contralateral Routing of Signals / Bi-Lateral Routing of Signals

Einseitige Taubheit

Eine Marktforschungsstudie* hat ergeben, dass 39% der Personen mit vollständig unilateralem Hörverlust ihre Arbeit als schwieriger empfanden, und das fast 25% der befragten Personen gezwungen waren, ihren Beruf aufzugeben (*durchgeführt durch: Advisory Group for Single Sided Deafness, unterstützt durch Entific Medical Systems). In Bezug auf soziale Beziehungen fand die Studie heraus, dass der Mangel eines „Stereo“-Gehörs“ die Teilnahme an Einzel- oder Gruppengesprächen sehr schwierig machte. Des Weiteren war den Betroffenen ihr Hörverlust häufig peinlich und sie hatten oft die Befürchtung „andere dadurch zu beleidigen, dass sie nicht hören konnten, was gesagt wurde“.Sie erfuhren gewöhnlich einen Verlust ihres Selbstvertrauens, fühlten sich isoliert und sie litten unter sozialer Ausgrenzung.

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Ursachen für vollständigen unilateralen Hörverlust

Die Ursachen für diesen Hörverlust können angeboren sein, wobei er aufgrund einer Fehlbildung des Innenohrs oder des Gehörnervs direkt oder nach der Geburt auftreten kann. Er kann aber im späteren Leben durch verschiedene Ursachen entstehen. Plötzlich auftretende Taubheit (idiopathische Taubheit) ist die häufigste Ursache für einen vollständigen unilateralen Hörverlust. Er tritt unmittelbar auf oder entwickelt sich innerhalb weniger Tage. Die Hörfähigkeit kann sich innerhalb der ersten beiden Wochen nach Auftreten regenerieren, wobei die Dauer den Hörverlust negativ beeinflusst.

In der Regel ist die Ursache leider unbekannt und kann von vielen Faktoren abhängen. Beispiele hierfür sind Medikamente mit ohrschädigender (ototoxischer) Wirkung, Immunabwehr- (immunologische) oder Infektionserkrankungen. Eine weitere häufige Ursache ist ein akustisches Neurom: ein langsam wachsender Tumor am 8. Hirnnerv (Hörnerv), der vom Innenohr zum Gehirn führt.

Folgen von vollständigem unilateralem Hörverlust

Die einseitge Taubheit (vollständiger unliteraler Hörverlust), also der vollständige Verlust des Gehörs eines Ohres, wird als stark einschränkend empfunden und wirkt sich negativ in Gesellschaft, bei der Arbeit und zu Hause aus, da die Fähigkeit Klänge zu lokalisieren und Hintergrundgeräusche zu unterscheiden beeinträchtigt wird.

Die medizinische Behandlung stellt nur wenige Optionen zu Verfügung, deshalb ist die Übertragung der Schallsignale vom geschädigten Ohr an einen Empfänger am Ohr mit normalem oder vermindertem Hörvermögen eine Lösung. Mit der Anpassung des CROS-Systems wird versucht, die Beeinträchtigungen des einseitigen Hörens zu bereinigen.Die neuen CROS Varianten sind sehr kleine, elegante und drahtlose Lösungen, die zur Anpassung der individuellen Bedürfnisse bei einseitiger Taubheit oder schwerster einseitiger Schädigung konzipiert wurde.

Die digitale, drahtlose Technologie ermöglicht eine schnelle und klare Signalübertragung. Ein CROS-System besteht aus zwei Komponenten – einem Sendermikrofon am betroffenen Ohr und einem Empfänger-Hörsystem am hörenden Ohr. Hierdurch benötigen die Kunden kein weiteres Zubehör wie Kabel, Hörer oder Vorrichtungen.

Die Studie schloss damit, dass sich eine vollständig einseitige Ertaubung…

  • …aufgrund des fehlenden Kopfschatteneffekts störend auf die Fähigkeit zur Bestimmung der Klangrichtung auswirkt
  • …störend auf das Hören der Richtung der nicht versorgbaren Seite auswirkt
  • …störend darauf auswirkt, Hintergrundgeräusche von Zielgeräuschen zu unterscheiden.

Sehr ermüdend und frustierend für die betroffene Person können Unterhaltungen mit mehr als zwei Personen bzw. Gruppengespräche sein, speziell in lauter Umgebung.

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Behandlungsmöglichkeiten bei vollständigem unilateralem Hörverlust

In einigen Ländern ist ein vollständiger unilateraler Hörverlust eine anerkannte Behinderung; allerdings stehen nur beschränkte Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Die häufigsten Lösungen sind Knochenverankerte- oder CROS-Systeme, die jeweils versuchen, das Hörempfinden von der nicht versorgbaren Seite wieder herzustellen, indem ein Signal in die hörende Seite übertragen wird (Dimmelow et al., 2003).

CROS-Systeme

Hörsysteme, die das Signal vom nicht therapierbaren Ohr an das hörende Ohr übertragen, werden als Contralateral Routing Of Signal (CROS) Systeme bezeichnet. Das CROS System ist eine Lösung ohne chirurgischen Eingriff, und ist als HdO- oder IdO-System erhältlich. Ein Hörsystem mit einem Sendermikrofon (CROS-Mikrofon) wird am nicht therapierbaren Ohr positioniert und sendet Signale an ein Empfängermikrofon am hörenden Ohr.

Ein CROS/BiCROS System. Das Mikrofon am nicht therapierbaren Ohr nimmt Signale auf und sendet sie per Kabel oder drahtlos an das hörende Ohr (CROS System) oder das versorgbare Ohr (BiCROS System). Das Signal wird gewöhnlich entweder über ein Kabel übertragen, mit dem die beiden Geräte verbunden sind, oder drahtlos über ein amplituden- oder frequenzmoduliertes Signal. Die Zeitverzögerung, die für die Übermittlung erforderlich ist, gibt dem Benutzer die notwendigen temporalen Hinweise, um festzustellen, von welcher Seite die Signale stammen (Hol et al, 2009). Dies verbessert die Wahrnehmung und das Verstehen von Sprache und anderer Geräusche, die am nicht versorgbaren Ohr auftreten. Wenn das bessere Ohr ebenfalls ein gewisses Maß an Hörminderung aufweist, kann ein BiCROS (Bi-lateral Routing Of Signal) System verwendet werden. Ein BiCROS System arbeitet nach demselben Prinzip wie ein CROS System, mit dem Unterschied, dass der Hörverlust des besseren Ohres über ein Hörsystem ausgeglichen wird.

Eine andere Option ist die Verwendung eines „transkraniellen CROS“-Gerätes. Durch Positionierung eines herkömmlichen Hörsystemes (IdO oder HdO) mit hoher Verstärkung/Ausgangsschalldruck im nicht versorgbaren Ohr wird die interaurale Dämpfung von 0 dB für Signale, die über den Knochen geleitet werden, übernommen und ausgenutzt. Wenn ein Signal mit hoher Intensität über die Luftleitung der Cochlea eines Ohres mit Hörminderung präsentiert wird, wird dieses Signal in der Cochlea des besseren Ohres gehört, da die Intensität ausreicht, um die interaurale Dämpfung zwischen den Cochleae zu überwinden (Valente et al., 1995).

Jetzt hat Phonak erstmalig ein CROS-System entwickelt, das die Signale drahtlos überträgt, indem die digitale, drahtlose Breitband-Audio-Übertragung verwendet wird.

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Phonak CROS System

Seit vielen Jahren verlangen Hörgeräteakustiker nach einer besseren CROS/BiCROS Lösung, die auf einer digitalen, drahtlosen Technologie basiert. Phonak CROS, entwickelt mit der Phonak Spice Technologie, der neuesten Generation drahtloser Technologie, ist die neu konzipierte Lösung, welche die Bedürfnisse von CROS- und BiCROS-Kunden sowohl in Bezug auf Erscheinungsbild, als auch auf Funktionalität erfüllt.

Das Phonak CROS System besteht aus:

1. einem Sendermikrofon in einem sehr kleinen Gehäuse auf der nicht versorgbaren Seite
2. einem Phonak Hörsystem mit drahtloser Spice Technologie, als Empfänger auf der hörenden Seite

Phonak CROS ist mit allen drahtlosen Hörsystemen der Phonak Produktpalette kompatibel, unabhängig von Formfaktor, Design und Preisklasse. Durch diese neuen Optionen bei der Anpassung werden wir als Hörakustiker unterstützt, die Bedürfnisse der CROS- und BiCROS-Kunden zu erfüllen. Durch die Verbesserung der drahtlosen Technologie des CROSLink Systems, nutzt das System eine digital kodierte, induktive Übertragungstechnologie mit einer Sendefrequenz von 10,6 MHz. Durch die Schaffung eines Hearing Instrument Body Area Netzwerks (HiBAN) sendet Phonak CROS die vollständige Audiobandbreite vom CROS Sender an das Hörsystem.

Ästhetisch

Der Phonak CROS Sender ist als HdO-Lösung im Audéo S SMART Gehäuse oder als individuelles Im-Ohr Hörsystem mit Halb- oder Vollschale erhältlich. Der HdO CROS Sender verfügt über unterschiedliche Halterungssysteme für einen sicheren Sitz. Kunden, die eine ansprechendere ästhetische Lösung wünschen, kann ein Phonak CROS Tip angepasst werden, der neue, speziell für Phonak CROS entworfene SlimTip (Abbildung 4a).

Der CROS Tip ist eine an beiden Seiten offene Hohlschale aus hartem Acryl, der bequem sitzt und an die individuelle Ohrform angepasst ist. Eine universelle Lösung ist die innovative Phonak CROS Halterung. Sie besteht aus dem weichen, angenehmen und hypoallergenen Material Pebax® und hält das nicht versorgbare Ohr vollständig offen. Sie wird am Sender angebracht und sitzt fest und sicher in der Cymba. Diese Lösung (Abbildung 4b) ist ansprechender als die herkömmliche Lösung mit Schlauch und Otoplastik. Abbildung 4a: Das Phonak CROS System mit Phonak CROS Tip. Abbildung 4b: Das Phonak CROS System mit Phonak CROS Halterung.

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Quellen und Referenzen

Baguley et al. 2006. The evidence base for the application of contralateral bone anchored hearing aids in acquired unilateral sensorineural hearing loss in adults. Clin. Otolaryngol. 31, 6–14

Dimmelow et al. (2003). Hear the Other Side – A Report by the Advisory Group for Single Sided Deafness. www.entific.com

Fayad et al. 2003. Etiologies and Treatment Options for Sudden Sensorineural Hearing Loss.

Fritsch et al. 2003. Sudden Hearing Loss: A Team Approach to Assessment, Treatment, and Rehabilitation.

Hol et al. 2009. Pilot study on the effectiveness of the conventional CROS, the transcranial CROS and the BAHA transcranial CROS in adults with unilateral inner ear deafness. Eur Arch Otorhinolaryngol. 2010 Jun;267(6):889-96

Marriage et al. 2007. The effectiveness of the Real Ear Sound (RES) hearing aid algorithm for front/back localisation by hearing impaired

children. http://www.phonak.com/content/dam/phonak/b2b/C_M_tools/Library/Pediatric/Features/en

Pumford, J. October 2005. Using probe-mic measures with CROS/BiCROS fittings. The Hearing Journal. 10 (58) 10

Sammeth C, and Cire G. 2009. Effectiveness in Treating Single-Sided Deafness with the Baha System. Hearing Review.16(4):34-41

Sinopoli, T. 2003. Single Sided Deafness: Issues and Alternatives. Viewed August 16 2010, www.Audiologyonline.com

Valente et al. 1995. Wireless CROS versus transcranial CROS for UHL. AJA 4:52-59

Vestibular Schwannoma (Acoustic Neuroma) and Neurofibromatosis. February. 2004. National Institute on Deafness and Other Communication Disorders. Viewed October 07 2010 http://www.nidcd.nih.gov/

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